Allergien

Prinzipielles:

Je früher eine gezielte Diagnostik und Behandlung einsetzt, desto größer ist die Chance auf Besserung und Heilung. Das Vertrauen des Kindes zu bekommen und auch bei lange dauernden Behandlungen nicht zu verlieren, ist besonders wichtig.

Allergie: unter Allergie versteht man eine übermäßig starke Reaktion des Körpers auf eine an sich nicht bedrohliche, körperfremde Substanz. Das heißt allergische Reaktionen können nach Kontakt mit sämtlichen Substanzen auftreten; ob diese allergische Reaktion nur leicht ausfällt (mit Juckreiz und leichter Schwellung) oder stark (mit Allgemeinreaktionen wie Schwindel, Atemnot, Kollaps – bis hin zum allergisch-anaphylaktischen Schock), ist abhängig von: Art und Menge des Allergens (des Fremdstoffes) und der „Allergieneigung“ des Körpers:

Pollen: werden eingeatmet oder treffen auf die Schleimhaut von Augen und Nase –> HEUSCHNUPFEN bis hin zu ASTHMA
Insektenstiche: hier wird die Fremdsubstanz – das Insektengift – beim Stich in den Körper hinein gespritzt, was eine besonders starke und zum Teil auch lebensbedrohliche Reaktion nach sich ziehen kann –> INSEKTENGIFT-ALLERGIE
Nahrungsmittel: meist in den ersten 3 Lebensjahren, typische Allergene: Kuhmilch, Hühnerei, Soja, Weizen, Erdnuss, Fisch –> NAHRUNGSMITTEL-ALLERGIE
Medikamente: allergische Reaktionen sind selten aber prinzipiell immer möglich. Neben einer Sofortreaktion mit Übelkeit und Erbrechen bis hin zum anaphylaktischen Schock können hier auch Spätreaktionen nach ein paar Tagen auftreten (zum Beispiel nach Antibiotika-Einnahme) – ist so eine MEDIKAMENTEN-ALLERGIE bei Ihnen oder Ihrem Kind bekannt, so teilen Sie es uns bitte immer gleich zu Behandlungsbeginn mit!

Allergie-Diagnostik:

1) das Wichtigste und Wertvollste ist immer Ihre Erzählung und Schilderung der Beschwerden. Vermuten Sie, eine Allergie erkannt zu haben, so kann man versuchen, durch gezieltes Meiden des Kontaktes (soweit wie eben möglich für 3-4 Wochen) und dann eventuell durch erneuten Kontakt mit dem vermeintlichen Allergen, eine Verbesserung und dann wieder Verschlechterung zu provozieren, was eigentlich schon der „beste Allergietest“ wäre.

2) Beim Pricktest (HAUTTEST) werden Testlösungen der vermuteten Allergene, bzw. auch Säfte aus den Allergenen selbst (zB. bei Nahrungsmitteln gut durchführbar) mit einer feinen Lanzette (kleine Metallspitze) mit der obersten Hautschicht (und mit den dort sitzenden Immunzellen des Körpers) in Berührung gebracht.

(Pricktest bei einem 9 Monate alten Säugling mit Hühnereiweiß-Allergie)

Der Haut-Pricktest ist als praktisch schmerzlose Untersuchung ab dem Säuglingsalter durchführbar. Nach 10 bis 15 Minuten wird das Testergebnis als eine lokale Quaddel in der Haut abgelesen.

 

(rechts: Pricktest bei einem 9 Monate alten Säugling mit einer Hühnereiweiß-Allergie)

3) Blutuntersuchung der RAST-Klassen: Die erst bei positivem Ergebnis im Pricktest sinnvolle Untersuchung, ergibt eine Einteilung der Allergene in sogenannte Rastklassen (1 bis 6, wobei 6 die stärkste Reaktion beschreiben würde)

Allergie-Behandlung:

a) Meiden des auslösenden Allergens, soweit wie möglich;

b) Medikamente zur Behandlung der Beschwerden:

  • Wasser: zum Kühlen und Ausspülen von Mund und Augen, sowie lokal auf der Haut sehr gut wirksam!
  • Antihistaminika: wirken gegen das körpereigene Histamin, das bei der Allergie aus körpereigenen Abwehrzellen in den Körper ausgschüttet wird und zu Schwellung, Rötung, Juckreiz, Quaddelbildung, Übelkeit und Müdigkeit führen kann. Antihistaminika können als Saft oder Tabletten geschluckt, bzw. lokal als Tropfen oder Spray auf die Schleimhäute aufgebracht werden.
  • Kortison: seit Jahrzehnten bekannt und am stärksten antiallergisch wirksam – doch wichtig: so kurz und so gering dosiert wie möglich!!

c) die Allergieimpfung: hier werden ganz kleine aber schrittweise ansteigende Mengen des die Allergie auslösenden Allergens mittels Stich oder Schluckimpfung in den Körper gebracht, woraufhin eine Toleranz gegenüber diesem Allergen erzeugt werden kann. Bei neuerlichem Kontakt treten dann die gewohnten Beschwerden nur mehr sehr abgeschwächt oder gar nicht mehr auf. Die Allergieimpfung (auch Hyposensibilisierung genannt) stellt somit die einzige nicht nur symptomenorientierte sondern wirklich den Grund des Problems angehende Behandlung dar und ist bei entsprechend ausgeprägten Beschwerden die klare Konsequenz aus der zuvor durchgeführten Diagnostik.

Schluckimpfung (SLIT): VORTEIL – kein Stechen nötig, ab etwa 4 Jahren problemlos durchführbar
NACHTEIL – die Tropfen müssen jeden Tag für 3-5 Jahre unter der Zunge
eingenommen werden, die Aussicht auf Erfolg ist etwas geringer als bei der Stichimpfung. Ausnahme: die „Gräser-Tablette“ wird ebenfalls täglich genommen, ist aber vergleichbar gut wirksam wie die Stichimpfung – daher meist die erste Wahl bei Gräserallergien!

Stichimpfung (SCIT): VORTEIL – Erfolgsaussicht je nach Allergen 80 bis 95%, also sehr gut!; nach einer Anfangsbehandlung mit wöchentlich einer Injektion für etwa 2-3 Monate, muss nur mehr etwa alle 6 Wochen eine Impfung wiederholt werden (ebenfalls für 3-6 Jahre). Die Injektionen werden eine Handbreit über dem Ellbogen am Oberarm unter die Haut gegeben und sind – verglichen mit üblichen Schutzimpfungen in den Muskel – sehr schmerzarm: ab dem Alter von 6 Jahren verstehen die Kinder den immer gleichen Ablauf der Impfung und machen praktisch immer problemlos mit:

  • das heißt ohne Tränen, ohne Festhalten, mit dem Kind und nicht gegen das Kind!
  • Der Stich kommt erst, wenn das Kind dazu bereit und damit einverstanden ist.

NACHTEIL – der Stich